Mit 70zig voll im Schuss

«Dr Schorsch» – mit siebzig voll im Schuss

Laufen als Wahlheimat, Basler Fasnacht als Showbühne – Heini Klauser freut sich auf die 52. Ausgabe

Bereits zum 52. Mal erfreut Heini Klauser Basler Fasnächtler mit seinen träfen Schnitzelbankversen. Dieses Jahr wird er, «dr Schorsch vom Haafebeggi II», siebzig.

Martin Staub

Solange mein Pullover hält, mache ich weiter», sagte Heini Klauser anlässlich seines 50-jährigen Jubiläums als aktiver Schnitzelbanksänger an der Basler Fasnacht. Mittlerweile sind weitere zwei Jahre vergangen, und Schorsch – unter diesem Namen kennt ihn jeder nur halbwegs interessierte Fasnächtler – wird 70. Sein Pullover weist, dank vielen Pflegetipps von besorgten Hausfrauen, wie Klauser schmunzelt, keinerlei Abnützungserscheinungen auf. Der Mann vom «Haafebeggi II» mit seinen zwei Instrumentalisten und dem Helgenträger wird uns somit auch diese Fasnacht zum Lachen bringen.
Heini Klauser wohnt seit sechs Jahren in Laufen. Er sei zwar in Kleinbasel aufgewachsen, habe aber mit seiner Frau und seinen zwei Kindern 26 Jahre lang in Muttenz gelebt. «Es hat sich so ergeben, weil der Weg zur Arbeit – ich war gelernter Laborant bei Sandoz – kurz und bequem war.»


Volles Programm mit siebzig

Klausers Nachwuchs, Isabelle und Rolf,  sind schon lange Zeit von zu Hause ausgezogen. Das älteste Grosskind ist bereits 18-jährig. Von Müdigkeit ist dem bald 70-Jährigen aber überhaupt nichts anzumerken. Derzeit steht er allabendlich im Häbse-Theater im «Mimösli» auf der Bühne, bevor er dann mit seiner Gruppe während der Fasnacht von Beiz zu Beiz durch Gross- und Kleinbasel zieht. «Nächstes Jahr allerdings, möchte ich meine Aktivitäten dann definitiv auf «die drey scheenschte Dääg» reduzieren, meint Klauser. Er entschuldigt sich damit dafür , dass er weder Larve noch Pullover für ein spontanes Foto bereitstellen kann, weil besagte Markenzeichen an der Klingentalstrasse 79 auf die nächste Vorstellung warten.


Streifen als Markenzeichen

Die Figur «Schorsch» gibt es seit 1984. Rösli, Klausers Frau, hat dafür damals den legendären quergestreiften Pullover und die überdimensionierte Proletenkappe gestrickt. «Seither trete ich immer im gleichen Kostüm auf», meint Klauser, «auch die Larve hat Baujahr 84. Sie wird lediglich von Zeit zu Zeit vom Larvenmacher überholt und ausgebessert.» Dr Schorsch vom Haafebeggi II wurde so zur Kultfigur der Basler Fasnacht.
Heini Klauser misst seinen Erfolg am Applaus. Wenn dieser während der Präsentation abflauen sollte, sei dies kein gutes Zeichen, ist seine Überzeugung. Darum singt Schorsch an seinen Auftritten nur rund zehn Verse. «Lieber weniger, dafür gute», sagt er sich. Seine Schnitzelbänke entstehen das ganze Jahr über. «Ich habe mir sogar auferlegt, auf meiner Homepage jede Woche einen neuen Vers zu präsentieren (www. schorsch.ch.vu).
Dies ist sozusagen mein Training, schmunzelt er. Von den vielen Versen, die das ganze Jahr hindurch entstanden sind, wählt Klauser erst kurz vor seinem ersten Auftritt die besten Bänke aus, die dann seine Helgenmalerin Judith Wegmüller grafisch illustriert.


Etwas Glück und viel Talent

Klauser hat – wie er selbst sagt – das Banksingen von der Pike auf gelernt. «Mit 18 Jahren bin ich zufälligerweise in eine ‹Vierer-Bank› gerutscht, weil einer krank wurde. So konnte ich suksessive von den anderen Dreien lernen.» Später zog das Verseschreiber-Talent zu zweit zwanzig Jahre lang als «Noocheblabberi» durch die Restaurants, bis er ab 1984 notgedrungen – seine Partnerin pausierte – die Auftritte mit «Ich bi dr Schorsch vom Haafebeggi II», eröffnete.


Beizentour nach Plan

Banksänger bleiben während der Fasnacht inkognito. «Wir machen es anders als Pfeifer und Tambouren. Wir tragen während des ganzen Aufenthalts in einer Beiz die Larve und gehen dafür auf der Strasse ohne.» Fasnacht und Privatleben sollen so ganz klar getrennt werden.
Wo überall Bänke gesungen werden, liegt in der Hand der «Beizer». Sie engagieren die Schnitzelbankgesellschaften und bezahlen dafür. Die 20 Gruppen der Basler Schnitzelbankgesellschaft (BSG), bei welcher Schorsch mitsingt, müssen durchschnittlich 25 bis 28 Lokale nach einem genauen Routenbüchlein besuchen. Jeder Wirt bestätigt darin dann mit seiner Unterschrift den ordnungsgemässen Auftritt in seiner Beiz.


Blagetten für einen guten Zweck

Auf seine schönsten Erinnerungen angesprochen, erwähnt der Wahllaufner einerseits gerne sein 50-Jahr-Jubiläum an der Fasnacht 2001. Seine eigene Jubiläumsblagette in einer Auflage von 2000 Stück verkaufte Klauser damals zugunsten der Stiftung Theodora, die Clowns für Kinder in Spitälern fördert. Andererseits freut er sich an seinem eigenen «Beizenschild» welches er anlässlich seines Auftritts beim Abschiedsfest der Basler Brauerei «Warteck» geschenkt bekam.
«Dr Schorsch vom Haafebeggi II» ist auch heute, mit bald siebzig, kein bisschen müde. «Ich kann den 10. März kaum erwarten, wenn es wieder heisst: ‹Morgestraich vorwärts marsch›.»

Brief und Zyttyg